3.1
Info
Übermässige Sextakkorde sind Prädominanten - Akkorde, die zur Dominante hinführen - mit zwei Leittönen; zum üblichen aufwärts-Leitton (z.B. fis-g, g als Dominante in c-Dur/moll) kommt ein abwärts-Leitton hinzu (as-g). Da letzterer (as-g) normalerweise im Bass steht, entsteht zwischen den beiden Leittönen as-fis das Intervall einer übermäßigen Sexte.
Es gibt drei versch. übermäßige Sextakkorde, die sich allerdings jeweils nur in einem Ton voneinander unterscheiden; den überm. Sext- (as-c-fis), Quintsext (as-c-es-fis) und Terzquart-Akkord (as-c-d-fis). Diese überm. Sextakkorde werden gerne auch anders bezeichnet: Die Funktionstheorie bestimmt die Akkorde als Doppeldominanten mit tiefalterierter Quinte im Bass, im angelsächsschen Raum haben sich die Begriffe Italien-, German- und French-Sixth durchgesetzt.
Übermässige Sextakkorde sind im harmonischen Zusammenhang relativ einfach zu hören, weil sie aufgrund der zwei Leittonwendungen ein auffälliges bzw. prägnantes Alleinstellungsmerkmal besitzen. Andererseits kann man auch sagen, dass überm. Akkorde überhaupt nur im harm. Zusammenhang als solche erkannt werden können; der Akkord allein (as-c-fis) fühlt sich eher an wie ein "normaler" Dominantseptakkord in Grundstellung (ohne Quinte), also as-c-ges, mit dem fis enharmonisch umgedeutet zu ges. Diese Möglichkeit der enharmonischen Umdeutung spielt in der Musik spätestens ab der Romantik eine wichtige Rolle, und die überm. Sextakkorde sind in der Musiktheorie für das Phänomen der enharmonischen Umdeutung sehr bedeutsam.